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Das MBUI-Fondsmanager-Tagebuch für Juni 2020 
... Stimulus-Overflow bis hin zur Drogenabhängigkeit? 


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Mehrwertphasen-Strategie,

wir sind es gewöhnt, Leistungen in unserer Branche anhand von Stichtagsbetrachtungen zu würdigen. Die Logik dahinter: Wer zum Monats-, Quartals-, Halbjahres- oder Jahresende die beste Performance vorzuweisen hat, der ist der Beste. Allenfalls werden noch volatilitätsbasierte Risikokomponenten einbezogen (wer die bessere Sharpe Ratio hat, ist der "bessere Beste").

Doch je kürzer der Betrachtungszeitraum, desto größer das Fehlerpotential. Am Beispiel des letzten Monats zeigt sich das in besonders starkem Maße: Der DAX hat im Juni um 6,25% zugelegt. Nach herkömmlicher Lesart war dies also ein guter Monat für den deutschen Aktienmarkt (sieht man mal vom Wirecard-Desaster und dem damit verbundenen Imageschaden ab). Einen Tag später, also vom 02. Juni (der 01. Juni war Pfingstmontag) bis zum 01. Juli, sah das Bild völlig anders aus. Nun stand nur noch ein Plus von 1,99% auf der Anzeigetafel - ein eklatanter Unterschied durch Verschiebung um nur einen Handelstag!

Viele Fonds berechnen ihren Anteilspreis für heute auf Basis der Kurse von gestern. Für sie geht der Monatsvergleich - je nach Börsenentwicklung um das Monatsende herum - oft deutlich besser oder eben deutlich schlechter aus. Bei den erratischen Börsenentwicklungen, an die wir uns offensichtlich gewöhnen müssen, macht es oft sogar schon einen Unterschied, ob ein Fonds seinen Anteilspreis am Vormittag oder am Nachmittag ermittelt. Für den MBUI (und für alle anderen Dachfonds) ist das besonders problematisch, weil der MBUI bei 14 (von aktuell 25) Zielfonds den Anteilspreis des jeweiligen Vortages in die Anteilspreisermittlung einbezieht. So kommt es auf kurze Distanz oft zu gravierenden Abweichungen zu den Marktentwicklungen, die sich auf längere Sicht natürlich nivellieren.

Vor diesem Hintergrund ist das Juni-Ergebnis von minus 0,01% durchaus zu relativieren. Schon einen Handelstag später wäre es auf Monatssicht nämlich um 0,72% besser gewesen und am nächsten Tag wäre es mit 0,91% auf die zweite Nachkommastelle exakt so hoch gewesen wie das Ergebnis des DAX im gleichen Zeitraum.  

Beruhigend, zuwissen, dass der MBUI mit diesem Vorsprung aus dem Juni in den Juli geht. Doch nun geht es erst mal um die Tagebuchnotizen, die ich mir im Laufe des Juni gemacht habe.
 
(Alle bisherigen Ausgaben des MBUI-Fondsmanager-Tagebuchs bis hin zum Auflagezeitpunkt des MBUI finden Sie - nach Bestätigung des Disclaimers - auf www.mbui.info/fuer-berater-institutionelle-investoren/fondsmanager-tagebuch.)



Montag, 01.06.2020

Auch dieser Monat beginnt mit einem Feiertag (Pfingstmontag). Allerdings haben die außereuropäischen Börsen meist geöffnet. Der S&P 500, der inzwischen längst die Marke von 3.000 Punkten zurückerobert hat, steigt nur leicht. 


Dienstag, 02.06.2020

Der NY Fed Weekly Economic Indicator (WEI) ist einer der zuverlässigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Gerade hat M.M. WARBURG dies für die letzten 12 Jahre in einer grafischen Gegenüberstellung gezeigt:


Aktuell (Update vom heutigen Tag auf www.newyorkfed.org) liegt der WEI bei -10,79%, also fast dem Dreifachen des Tiefststandes in der Finanzkrise. Damit haben wir eine wohl recht zuverlässige Indikation für den Absturz des BIP-Wachstumes in den USA. Nun wissen wir zwar, dass diese Rezession ja keine strukturelle ist, denn sie wurde ja quasi staatlich verordnet. Doch die Ursache für eine Rezession dürfte nur wenig Auswirkung auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung selbst haben. Anders ist in heutiger Zeit allenfalls das Waffenarsenal, mit dem die Rezession bekämpft wird. Dabei wird sich noch herausstellen, welche Waffen keine zielsicheren Geschosse sondern nur Pulverdampf verbreiteten.

So wird auch die deutsche Wirtschaft dieses Jahr eine heftigere Rezession als allgemein angenommen erleben. Auch M.M. WARBURG rechnet mit einem Rückgang der realen Wirtschaftsleistung von gut 7%. Bei der Revision der Gewinnerwartungen - so formuliert Gabor Steingart -  sei zuletzt das Skalpell durch die Axt ersetzt worden. 

Wir müssen uns das immer wieder vor Augen führen, denn die Versuchung, auf eine Teil-Absicherung, die aktuell nur Geld kostet, zu verzichten, ist groß. Doch nach dem für MBUI-Verhältnisse hohen Drawdown wollen wir nun nicht erneut einen unappetitlichen Drawdown riskieren.

Donnerstag, 04.06.2020

"Das Konjunkturpaket ist sicherlich in der Lage, die Rezession zu dämpfen, abschaffen kann man sie natürlich nicht", sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, dem Deutschlandfunk. "Mit Wumms aus der Krise" kommentierte Olaf Scholz die Dimensionen. Aus 80 bis 100 Milliarden sind im Koalitionsausschuss nun 130 Milliarden Euro geworden. Typische Reaktion der Börse: Wenn die gute Nachricht kommt, fallen die Kurse, denn diejenigen, die auf die gute Nachricht spekuliert hatten, machen erst mal Kasse, Doch damit waren die Spekulanten heute nicht gut beraten, denn heute Mittag verkündete die EZB, dass sie ihr Notkaufprogramm nicht nur zeitlich verlängert, sondern zudem noch deutlich tiefer in die Tasche greifen will, als vom Markt erwartet. Der DAX nimmt die Nachricht positiv auf und dreht sofort ins Plus ... um nur kurze Zeit später erneut in der Verlustzone zu stehen. Wie bei einem Drogenabhängigen wird nicht mehr gefragt, was gut oder schlecht, billig oder teuer ist. Es wird konsumiert. Problematisch wird es, wenn es keinen Nachschub gibt. Dann fällt der Drogenabhängige in sich zusammen. Mit einem Nikotin-Kaugummi ist ihm dann wohl kaum zu helfen.  

Die Europäische Zentralbank steckt in der Corona-Krise weitere 600 Milliarden Euro in Anleihen. Der EZB-Rat beschloss die Ausweitung des Notkaufprogramms für Staats- und Unternehmenspapiere auf 1,35 Billionen Euro am Donnerstag in Frankfurt, wie die Notenbank mitteilte. Die Laufzeit des Programms  wurde auch - bis mindestens Ende Juni 2021 - verlängert.

Freitag, 05.06.2020

Was eigentlich klar war ist nun auch offiziell: Ab 22. Juni wird die Lufthansa im MDAX gelistet sein. Stattdessen steigt der Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen in die erste Liga auf. Wohnen statt Reisen. Symbolträchtiger geht es kaum. Corona hat die Welt geschrumpft. 

An den Börsen geht es jedoch weiter, als sei nichts geschehen. Noch nie waren die Aktienkurse und die Wirtschaft so weit voneinander entkoppelt. Die Citygroup warnt heute: Bei den aktuellen Daten der Einkaufsmanager-Indices müssten die Aktienkurse weltweit 30% niedriger liegen. Der bekannte US-Investor Jeremy Grantham, der die Rallye bisher auf der Long-Seite mitgemacht hat, wechselt ins Short-Lager. Dass die Konjunktur wie ein Lichtschalter einfach angeknipst werden kann, sei unwahrscheinlich. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis bspw. die hohe Arbeitslosigkeit oder die sinkenden Unternehmensgewinne auf die Wirtschaft durchschlagen. 

Auslöser für den heutigen Börsenauftakt in den USA waren die Arbeitsmarktdaten für Mai. Man hatte mit 7,5 Millionen zusätzlichen Arbeitslosen gerechnet, doch tatsächlich wurden 2,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Das ist sicher eine gute Nachricht, die jedoch in Relation zu den exorbitant hohen Arbeitslosenzahlen gesehen werden muss. Der Dow Jones eröffnet um 780 Punkte oder 2,97% über Vortagesschluss und steigt weiter. Der S&P 500 verfehlte heute den Jahresschlusskurs 2019 um gerade mal 21 Punkte - der Börsentag in New York ist allerdings gerade erst zweieinhalb Stunden alt. Bis zum Alltime-High fehlen nur noch 5,7%. Der DAX ließ sich anstecken und legte heute um 3,35% zu.

Sorry, für mich ist das alles nicht normal. Ich verstehe allerdings auch nicht, warum jemand viele Stunden darauf verwendet, eine tolle Sandburg zu bauen, obwohl gewiss ist, dass die nächste größere Welle sie wieder fortspült.

Der Sand, der die Börsenkurse derzeit explodieren lässt, heißt Hoffnung. Die Tatsache, dass die Kurse steigen, dient als "Beweis", dass diese Hoffnung gerechtfertigt ist. Bei der hohen Liquidität geraten zunehmend viele (insbesondere institutionelle) Anleger in Zugzwang. Wenn sie einsteigen, machen andere Kasse. Übernehmen dann die Bären die Regie? Wir möchten keinesfalls in eine solche Zwickmühle geraten und halten an unserem schon vielfach beschriebenen Kurs fest.  

Mittwoch, 10.06.2020

Der Nasdaq 100 hat bereits Anfang des Monats sein Allzeithoch vom 19. Februar des Jahres (9.630 Punkte) wieder erreicht. Die perfekte V-förmige Erholung findet ihre "Veredelung" mit dem Überschreiten der magischen 10.000-Punkte-Marke, die bereits gestern um 19:36 Uhr nach unserer Zeit genommen wurde. 

Donnerstag, 11.06.2020

Doch die angekündigte bzw. erwartete neue Version "Börse Modell V" offenbarte am gestrigen Feiertag Lieferschwierigkeiten. Der DAX brach um 560 Punkte nach unten weg. Es darauf zu schieben, dass gestern in Hessen (wie in einigen wenigen anderen Bundesländern) Feiertag war, kommt nicht in Frage. In den USA gab der S&P 500 die Richtung vor. Eröffnung mit 2,65% im Minus und letztendlich 5,89% Tagesverlust. Der Dow Jones verlor sogar 6,89%. Auch der Nasdaq 100 fand sich in respektvollem Abstand zur gerade erst genommenen 10.000er-Marke wieder. Der VIX, der die Volatilität des S&P 500 misst, schoss um 48% in die Höhe und liegt nun wieder oberhalb der Marke von 40. Game over? In der Spielhalle muss bei dieser Meldung neues Geld eingeworfen werden.

Der MBUI hätte den Tag ohne größere Blessuren überstanden, denn der Wertzuwachs des "Dynamischen Edelmetall-Mischfonds 1" (plus 3,72%) sowie unserer DAX-Absicherung über den "2x Short-DAX-ETF" (plus 8,68%) funktionierten. Der Rückgang aller anderen MBUI-Zielfonds konnte mehr als kompensiert werden (wobei die sieben Zielfonds mit deutscher ISIN allerdings gestern keinen Anteilspreis errechneten). 

Freitag, 12.06.2020
 
Die von der EU-Kommission bewilligten Hilfen addieren sich in zwischen auf 2,19 Billionen Euro. Sage und schreibe 45% davon entfallen auf Deutschland. Das ist keine Stimulation sondern Medikamentemissbrauch. Andreas Kluth, Kolumnist bei Bloomberg bringt es auf den Punkt: "Stimuli sind in diesem Sinne wie Opioide: Notwendig für die Linderung im Notfall, aber süchtig machend und ruinös, wenn sie länger andauern."

Montag, 15.06.2020

 Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist weiterhin hoch. 134.000 neue Fälle wurden gestern weltweit gemeldet. Nervös macht die Anleger jedoch der Anteil der neuen Fälle in China. Dabei waren es tatsächlich nur 49 neue Fälle, von denen 10 von Reisenden "importiert" wurden. 36 der verbleibenden 39 Neuinfektionen sind unter Händlern und Kunden eines Großmarktes in Peking ausgebrochen. Der Markt wurde sofort geschlossen, die umliegenden Wohnviertel wurden abgeriegelt. Rund 76.000 Personen wurden noch am Sonntag getestet. Ob man aus diesem Geschehen nun tatsächlich auf den Ausbruch einer "zweiten Welle" schließen kann?

Doch selbst die altehrwürdige "Frankfurter Allgemeine" titelt heute Morgen: "China meldet Dutzende neue Corona-Fälle in Peking" - formal richtig, denn "drei Dutzend" sind tatsächlich "Dutzende". In der Online-Ausgabe der FAZ besteht unter diesem Artikel die Möglichkeit einer Live-Abstimmung. Die Frage, ob es in China zu einer zweiten Corona-Welle kommen wird, beantworteten bis heute Mittag zwei Drittel der Umfrageteilnehmer mit "Ja". 

Auch die Anleger sind überwiegend dieser Meinung, denn der DAX gibt bis zum Mittag mehr als 2% ab. Es ist allerdings nur die Fortsetzung der genau heute vor einer Woche eingeläuteten Trendwende. Seit dem Höchststand vom vergangenen Montag (12.870,77 Punkte) hat der Dax nun inzwischen fast 10% verloren. Das lockt die Bullen wieder ins Gehege, die prompt Unterstützung von der Fed bekommen, die ihr Mitte Mai aufgelegtes Anleihen-Aufkaufprogramm um eine weitere Komponente ergänzt. Der Dow Jones legte daraufhin um 700 Punkte (!) zu und ging mit einem Plus von 150 Punkten aus dem Handel. Auch der DAX konnte sich nicht entziehen und holte seinen Vormittagsverlust wieder auf. Nach dem Tiefststand von 11.602 Punkten am Morgen beendete der DAX nachbörslich den Tag mit 12.081 Punkten.

Anleger müssen offensichtlich nur noch Sonnenbrillen selbst kaufen. Die Regenschirme bekommen sie bei Bedarf jederzeit gratis. 

Donnerstag, 18.06.2020

Au Backe, das ist kein guter Tag für Markus Braun und all diejenigen, die in Wirecard investiert sind. Nachdem am frühen Morgen die Nachricht die Runde machte, dass die Vorlage der 2019er-Bilanz erneut verschoben werden muss, weil keine Prüfungsnachweise für Bankguthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro vorlägen, fiel die Aktie wie ein Stein. Wenn die Bilanz bis morgen nicht vorgelegt werden kann, so könnten nach Unternehmensangaben Kredite in Höhe von ca. 2 Milliarden Euro gekündigt werden. Die 40 Fonds mit der größten prozentualen Beteiligung an Wirecard haben die Aktie zwischen 1,47% und 11,50% gewichtet. Dazu gehört u.a. der "Lyxor 1 TecDAX® UCITS ETF", der gar nicht anders kann, als die Aktien zu Beginn des Tages mit 8,03% gewichtet zu haben. Bei mehr als 65% (!) Drawdown gegenüber dem gestrigen Schlusskurs verlieren TecDAX-Anleger alleine mit dieser Position mehr als 5%.

Eine blitzschnelle Untersuchung der MBUI-Zielfonds förderte zutage, dass nur zwei Zielfonds in Wirecard investiert sind. Da ist der "Dynamische Mischfonds 3", mit einem Anteil in Höhe von 3,26% in Wirecard. Bei einem aktuellen Anteil von 4,7% am MBUI schägt damit das Wirecard-Exposure immerhin noch mit minus 0,15% auf die heutige MBUI-Wertentwicklung durch. Vom "Dynamischen Mischfonds 1" wussten wir von einer rund 3%-igen Investition in Wirecard, die jedoch sukzessive abgebaut wurde. Vorgestern, also vor dem Absturz, war diese Position schon auf 0,5% reduziert. Der Fonds ist aktuell mit einem Aktienanteil von 92% (keine Absicherungen) unterwegs.  

Glück gehabt? Ich würde sagen: Gut, dass wir auf aktive Manager setzen. DAX- und TecDAX-ETF´s und deren Anleger konnten dem Wirecard-Investment nicht ausweichen. Pech hatten wohl auch Anleger, die einer vor genau einer Woche veröffentlichten Analyse von Warburg-Research vertrauten. Analyst Marius Fuhrberg riet, sich bei der Beurteilung des Zahlungsabwicklers wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren ... und beließ das Kursziel bei 230 (!) Euro. Das wird wohl so schnell nichts. 

Freitag, 19.06.2020

Heute ist einer der vier großen Verfallstermine am Optionsmarkt. Alleine für den S&P 500 laufen Juni-Optionen im Gesamtvolumen von 1,8 Billionen US-Dollar aus. Das klingt schlimmer als es ist, denn aktuell stehen den Bären, die heute auf dem falschen Fuß erwischt werden, durchaus mehrheitlich Bullen gegenüber. Recht dramatisch schien jedoch die Schätzung von Goldman Sachs: Aufgrund der gestiegenen Kurse müssen Pensionsfonds ihre Gewichtung von Aktien und Anleihen wieder in Einklang bringen. Durch diese Verschiebungen wären - so Goldman Sachs - Aktienverkäufe im Gegenwert von schätzungsweise 76 Milliarden US-Doller zu erwarten.

In Deutschland und Europa ist davon nichts zu spüren. Der EuroSTOXX 50 legt 0,68% zu während der DAX mit einem Plus von 0,40% aus dem Handel geht, weil sich der Kurs von Wirecard erneut mehr als gedrittelt hat. In den USA hingegen gibt der S&P 500 0,56% ab - kein Drama für einen Tag mit solchen Vorzeichen.

Montag, 22.06.2020

Nun besteht also Gewissheit: Die Financial Times, die bereits im Spätsommer 2018 über Bilanz-Unregelmäßigkeiten bei Wirecard berichtete, war auf der richtigen Fährte. Nachdem die Banken, bei denen Treuhandkonten mit 1,9 Milliarden Euro bestehen sollten, erklärten, dass Wirecard kein Kunde sei, räumte das Unternehmen nun letzte Nacht ein, dass die Treuhandkonten "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen". Na, vielleicht haben die Banken sich ja getäuscht. Kunden mit 1,9 Milliarden Kontoguthaben kann man ja schnell übersehen. Ob dies wichtig ist? "Mögliche Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre können nicht ausgeschlossen werden" - so die gewagte Prognose des neuen Vorstandschefs Freis. Tatsächlich kann wohl ausgeschlossen werden, dass es keine Auswirkungen auf frühere Jahresabschlüsse gibt. Schließlich waren die Gewinne der vergangenen zehn Jahre insgesamt geringer als die jetzt gesuchten 1,9 Milliarden. Manche sprechen schon vom "Enron-Feeling" (am 02.12.2001 war Stichtag für die Enron-Pleite, das einst siebtgrößte Unternehmen der USA).   

Gestützt wird der DAX, der knapp 1% unter dem Freitagsschlusskurs eröffnet, durch den DAX-Neuling Deutsche Wohnen (klar, den müssen alle DAX-ETF heute kaufen). Spiegelbildlich müssen die Anleger von MDAX-ETF´s mit ansehen, dass ihr Neuling Lufthansa gleich zum Börsenstart mit fast 7% im Minus liegt (klar - die DAX-ETF´s verkaufen viel mehr Lufthansa als die MDAX-ETF´s kaufen müssen). Da kann ja nun gleich die Spekulation beginnen, wer Nachfolger von Wirecard im DAX wird. Die Wirecard-Marktkapitalisierung ist in der Spitze immerhin von 21,3 auf 1,8 Milliarden Euro gesunken. Bis zum Ausscheiden machen DAX-ETF´s die Wirecard-Talfahrt weiter mit. Aktuell liegt Wircard bereits 93% unter dem Höchstkurs vom September 2018. Gute Nachricht: Viel gibt es dann beim Ausscheiden von Wirecard aus dem DAX für DAX-ETF´s nicht mehr zu verkaufen, denn der Wirecard-Anteil am DAX ist inzwischen auf 0,31% (Stand: 09:30 Uhr) gesunken.

Freitag, 26.06.2020

Wirecard hat gestern Insolvenzantrag gestellt, bleibt aber bis September im DAX sowie im TecDAX gelistet, soweit bis dahin keine Abwicklung erfolgt oder das Insolvenzverfahren mangels Masse nicht eröffnet wird. Viel Schaden kann Wirecard in den Indices nicht mehr anrichten, denn bei einem aktuell nur noch 0,15%-igen Anteil am DAX würde sich auch ein hohes Minus wie das gestrige (71%) nur noch marginal bemerkbar machen.

Ansonsten bewegen sich die Börsen im "Niemand-blickt-so-richtig-durch-Modus". Wer weiß (bzw. vorgibt zu wissen) wie es weitergeht, hofft insgeheim, dass er zu den 50% gehört, die Recht haben. Wer sich zeitlich nicht festlegen will, tippt einfach auf neue Höchststände, die sich natürlich früher oder später einstellen werden. Und wer prognostiziert, dass es noch mal deutlich bergab gehen wird, ohne einen Tipp abzugeben, wann dies sein könnte, der hat ebenfalls gute Chancen, richtig zu liegen. Doch diejenigen, die wirklich Anerkennung verdienen, bekommen sie nicht. Sie geben nämlich unumwunden zu, dass sie schlichtweg nicht wissen, was nächste Woche oder nächsten Monat passiert.

Vielfach ist zu hören/lesen, dass der weitere Verlauf davon abhänge, ob es zu einer "2. Welle" kommt. Glaubt man den Zahlen der Johns Hopkins University, so könnte - global betrachtet - die erste Welle ihren Höhepunkt noch nicht (oder bestenfalls derzeit) erreicht haben.


Bemerkenswert ist alle Tage wieder die Chuzpe von Donald Trump, der einfach behauptet, dass es in den USA so viele Corona-Fälle gäbe, weil so viel getestet wird (natürlich mit den besten Tests der Welt). Dabei ist dies so einfach zu widerlegen, denn wenn durch die Tests Menschen in die Statistik eingehen, die COVID-19 bereits ohne Symptome überstanden haben, so müssten diese ja gleichzeitig in die Statistik der Genesenen eingehen. Diese Statistik sieht für die USA jedoch noch viel desaströser aus als die nackten Zahlen der Johns Hopkins University, die das wahre Ausmaß der Katastrophe in den USA erst offenbaren, wenn man sie in Relation zueinander setzt:

 Quelle: Johns Hopkins University, eigene Berechnungen (Stand: 26.06.2020)



Relativ zur Bevölkerung deutlich mehr Corona-Fälle, jedoch weniger als halb so viele Genesene wie in Brasilien. Deutlicher kann man die präsidialen Fake-News nicht entlarven. Um das zu verstehen, sollte man allerdings des Prozentrechnens mächtig sein (böse Menschen könnten nun glatt auf die Idee kommen, Rückschlüsse zum Bildungsstand der Trump-Wähler zu ziehen).

Dienstag, 30.06.2020

Nun endet also das wohl bewegteste Halbjahr der Börsengeschichte (oder zumindest der letzten 90 Jahre). Schaut man sich nur die nackten Halbjahresergebnisse an, so kommt man allerdings eher zu dem Schluss, dass es sich um ein ganz normales, wenig spektakuläres Börsenhalbjahr gehandelt haben dürfte. Im MBUI zumindest sind mehr Zielfonds im Plus als im Minus: 



Jeweils zwei Fonds sorgen allerdings für eine extreme Bandbreite der Ergebnisse. Da ist auf der linken Seite der "KI-Fonds 1", der bis Mitte März nur jeweils zum Monatsanfang aufgrund der Signale einer künstlichen Intelligenz eines von drei möglichen Szenarien wählte: DAX 100% long, Cash oder DAX 100% short. Dummerweise sprang das Signal erst in den ersten Märztagen um und so blieb der Fonds (übrigens seit Februar 2019 unverändert) zu 100% long im DAX investiert. Doch als der Corona-Crash mit ungeheurer Power den DAX extrem schnell in den Keller schickte, entschloss man sich, die Signale künftig wochenweise (und in Extremfällen auch zweimal wöchentlich) umzusetzen. Am rund 43%-igen Drawdown konnte das allerdings nichts mehr ändern. Inzwischen ist nun aber zudem auch eine Weiterentwicklung der KI im Einsatz, die auch eine stufenweise Reduktion oder Erhöhung der Investitionsquote zulässt. Aktuell ist der Fonds 80% long im DAX.

Der "Alternative Multi Asset-Fonds 2" scheiterte ausgerechnet am defensiven Basis-Investment seines Konzepts. Normalerweise sind kurzfristige Dividenden-Futures nämlich eine recht sichere Angelegenheit, wenn man mit großer Sicherheitsmarge investiert. Doch die Forderung von deutscher Regierung und EZB, keine Dividenden auszuzahlen, wenn Staatshilfe in Anspruch genommen wird, schickte die Dividenden-Futures zunächst einmal um mehr als 60% ins Minus. Dies war - auch aus heutiger Sicht - natürlich eine maßlose Überreaktion. Aber ausgerechnet zum Tiefstkurs musste der Fonds aufgrund der eigentlich zum Anlegerschutz erfundenen Value-at-Risk-Schwelle verkaufen, was ihm (neben den vorübergehend aufgrund stark gestiegener Volatilität gesunkenen Bewertungen anderer Risikoprämien) einen Verlust von 44% bescherte. Die zwischenzeitliche kräftige Erholung der Dividenden-Futures konnte der Fonds nicht mehr zu Gunsten seiner Anleger nutzen. Trotzdem hat er mit anderen Risikoprämien gute Ertragschancen, insbesondere, wenn die Volatilität wieder auf ein normales Niveau sinkt (ein Absinken auf das historisch niedrige Niveau des letzten Jahres ist dabei gar nicht erforderlich).

Auf der anderen Seite zwei Fonds, die wir strategisch als Ergänzung für die Recovery-Phase des MBUI gewählt haben. Die Themen "Gold" und "Technologie" finden sich aber auch in anderen Fonds wieder, so bspw. im "Dynamischen Mischfonds 3" oder im "Pensionskassen-Mischfonds 1". Bemerkenswert ist dabei, dass der "Nasdaq-Stretegiefonds 1" so konzipiert ist, dass von einem jeweils definierten Schwellenwert, der auch unterjährig nach oben gezogen werden kann (was in diesem Jahr bereits zweimal passierte), maximal 10% verloren werden können. Damit hat dieser Fonds, den wir im Juli weiter aufstocken wollen, ein ganz außerordentliches Chance/Risiko-Profil.

Diese beiden Fonds sowie den "2x-Short-DAX-ETF" sollten den MBUI in einer neuerlichen Abschwungphase, an der wir wohl kaum vorbeikommen werden, genauso stabilisieren wie bspw. der "MFS Meridian - Prudent Wealth" (inzwischen eine der fünf größten Positionen), der im Corona-Crash nur einstellig verlor und diesen Verlust in weniger als sechs Wochen wieder aufholte, oder der "Dynamische Makro-Strategiefonds 1", der im Crash zwar 12,04% abgab, aber diesen Verlust schon in knapp drei Wochen wieder ausglich.

All diese Fonds sind - und das ist eine gute Perspektive - auch ohne erneuten Crash für eine starke Performance gut. Schauen wir also, wie der MBUI sich im Juli präsentieren wird, nachdem ihm zumindest die Performance der Märkte von Ende Juni schon gutgeschrieben ist.      

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal
Ihr/Euer Jürgen Dumschat
 

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