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Das MBplus-Fondsmanager-Tagebuch für Mai 2026

... wenn das Navigationssystem mal wieder versagt

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Mehrwertphasen-Strategie,

wenn namhafte Marktteilnehmer, deren Expertise man wertschätzt, extrem unterschiedliche Meinungen vertreten, so wird es schwierig. Man ist dann sehr schnell geneigt, der Bestätigung der eigenen Einschätzung mit der Auswahl der "richtigen" Experten zu untermauern.

So warnt die EZB derzeit vor einer möglichen scharfen Korrektur an den Finanzmärkten. Investoren würden derzeit die Risiken aus geopolitischen Konflikten, Inflation und Staatsverschuldung unterschätzen. Taggleich konnte man im gleichen Online-Newsletter lesen, dass der bekannte Marktstratege Ed Yardeni den aktuellen Aufschwung durch starke Gewinne untermauert sieht. Die Rally werde von einem "fabelhaften Gewinnmomentum" und nicht von Spekulation getrieben. Yardeni prägte den Begriff "FEMO" ("Fabulous Earnings Momentum"), um die aktuelle Rally von "FOMO" ("Fear of Missing Out") abzugrenzen. Letztere basiere eher auf Hoffnung und Hype als auf Fundamentaldaten.

Die Bank of America wiederum warnt, dass die AI-Blase historische Dimensionen erreichen könnte. Die größten KI-Unternehmen könnten zusammen mit den anstehenden Mega-Börsengängen (Space-X, OpenAI) künftig nahezu 50% der gesamten US-Marktkapitalisierung ausmachen. Eine derartige Dominanz einzelner Marktsegmente habe es historisch zuletzt in den 1880er-Jahren während des Eisenbahn-Booms gegeben.

Das Dilemma ist nicht so schlimm, wenn man sich gar nicht entscheiden muss, wem man glauben will. Dabei ist ein Fonds, in dem sich unterschiedliche Konzepte und Fondsmanager mit verschiedenen Ansichten wechselseitig ergänzen können, sicherlich eine der besten Möglichkeiten, mit solchen Widersprüchen umzugehen. 


Den Two-Pager für den MBplus (aktualisiert per Ende März 2026) finden Sie in auf unserer Website im Bereich "Für Berater  institutionelle Invstoren". Hier der direkte Link. Hier finden Sie auch alle Ausgaben des MBUI-Fondsmanager-Tagebuchs sowie die Monatsberichte für die jeweils letzten 12 Monate.


Wie haben wir mit dem MBplus im vergangenen Monat abgeschnitten? Dies und mehr erfahren Sie in unseren Tagebucheinträgen für den Mai:

Mittwoch, 06.05.2026

Natürlich haben wir schon Fonds verkauft und uns im Nachhinein geärgert, dass diese sich dann doch viel besser als erwartet entwickelt haben. Aber es gibt auch Geschichten wie diese:

Am 11.04.2021 investierten wir in einen globalen Long/Short-Technologiefonds mit einem flexiblen, zumeist aber Long-Bias. Der Ansatz und das Management überzeugten uns und dann begann, was oft unvermeidbar erscheint: Der Anteilspreis fiel. Statt den Fonds wieder zu verkaufen, stockten wir die Position vier Monate später auf. Doch es ging weiter bergab. Doch irgendwann platzte der Knoten und unsere Geduld sollte sich lohnen.   L/S-Technologiefonds 2

Gut vier Jahre nach Erstinvestition hat der Fonds seine anfänglichen Verluste längst wieder aufgeholt. Aktuell liegt die Position mit gut 92% im Plus. Über die letzten drei Jahre hat sich der Anteilspreis exakt verdreifacht. Wenn man den Fonds im MBplus-Jahresbericht sucht, so wird man nicht fündig, denn im Herbst letzten Jahres war die Position so groß geworden, dass wir in die kostengünstigere Insti-Anteilsklasse wechseln konnten.

Donnerstag, 07.05.2026


Zeitdruck und Zinsangst veranlassen Unternehmen und Staaten, sich mit Hochgeschwindigkeit die aktuell auf einmal noch günstig erscheinenden Anleiherenditen zu nutzen, ehe höhere Energiepreise und steigende Inflationserwartungen die Zinsen wieder nach oben treiben könnten. 

Freitag, 08.05.2026

Die Hoffnung auf einen baldigen Schlussstrich unter den Krieg im und um den Iran reichte, um die US-Börsen auf neue Allzeithochs zu treiben. Doch die Stimmung kippte nach iranischen Attacken auf drei US-Zerstörer in der Straße von Hormus und der Reaktion des US-Militärs, das erneut Ziele im Iran angriff. Am frühen Morgen meldeten zudem die Vereinigten Arabischen Emirate neue Angriffe aus dem Iran.

Die Berichtssaison in den USA, die womöglich sogar größeren Anteil am Kursauftrieb der US-Börsen hatte, geht zu Ende. Mehr als 80% der Unternehmen übertrafen die ohnehin schon hohen Konsensschätzungen und das teilweise deutlich. 

Wir waren gut beraten, die Absicherung durch den Double Short-ETF auf den S&P 500 aufzulösen und andererseits den DAX- Double Short-ETF mit knapp 4% (also 8% verringertes Aktienexposure) beizubehalten. In den vier Handelstagen des Monats hat der MBplus nach unserer Hochrechnung bis gestern um 1,8% zugelegt. Heute Morgen startet der DAX mit deutlichen Verlusten. Möglicherweise müssen wir schon bald auch wieder den S&P 500 absichern, wenn die starken Gewinne eingepreist sind und es mit den Friedensverhandlungen mit dem Iran nicht zu einem Abschluss kommt, was unser Hauptszenario ist. 

Montag, 11.05.2026

Donald Trump erklärte am Freitag, dass die Waffenruhe intakt sei, doch auch am Wochenende lieferten sich der Iran und die USA erneut Gefechte. Eine seltsame Waffenruhe. 

Immer häufiger wird die Frage gestellt, wie Krieg und Börsenrekorde zusammenpassen. Dabei muss man allerdings differenzieren, denn mehr als die Hälfte des Gewinns des S&P 500 in diesem Jahr geht auf das Konto von nur fünf Unternehmen, nämlich Alphabet (plus 25% seit Jahresbeginn), Amazon (plus 20%), Broadcom (plus 19%), Apple (plus 16%) und Nvidia (plus 12%). Insgesamt nur 42 Unternehmen stehen für das gesamte Indexergebnis in diesem Jahr.  



S&P 500 über drei Jahre

Ob man daraus ableiten kann, dass eine stärkere Korrektur oder gar Baisse bevorsteht, ist in heutigen Zeiten mehr als ungewiss. Natürlich kann man argumentieren, dass ganz viele Unternehmen ein Nachholpotential haben, wenn die Hausse bislang nur von wenigen Unternehmen getragen wurde. Umgekehrt kann eine nur von wenigen Unternehmen getragene Hausse besonders anfällig für Korrekturen sein. Sicher ist auf jeden Fall, dass die fünf oben genannten Unternehmen mit ihrem hohen Kurszuwachs natürlich auch ihren Anteil am Index weiter erhöht haben. Immerhin addiert sich ihr Börsenwert auf mehr als 15 Billionen US-Dollar - das ist in etwa das Achtfache des Börsenwertes aller 40 DAX-Unternehmen zusammen.

Mittwoch, 13.05.2026

Jetzt ist es amtlich: Die Inflation in den USA ist auf 3,7% gestiegen. Die Hoffnung auf sinkende Zinsen schwindet, denn das hieße Öl ins Feuer zu gießen, was nicht ausschließt, dass es jemand (in diesem Fall der neue Fed-Chef) trotzdem versucht. 

Freitag, 15.05.2026

Machen wir was falsch? Das Greiff Research Institute hat gerade eine umfassende Dachfonds-Studie vberöffentlicht. U.a. wurden auch die zehn am höchsten gewichteten Zielfonds benannt. Kein einziger dieser Fonds ist von uns jemals allokiert worden. Natürlich haben wir uns die Fonds angeschaut. Daraufhin gab es allerdings keine einzige Umschichtung und auch keinen Kauf eines dieser zehn Fonds.  


Montag, 18.05.2026

Seit genau einem Monat liegt der Jahresbericht des MBplus vor. Unsere KVG (HANSAINVEST) hat den Bericht unverzüglich an alle Portale wie FWW oder Morningstar übermittelt, wo dieser auch seit inzwischen knapp vier Wochen abgerufen werden kann. Wie kann es dann sein, dass auch heute noch laufende Kosten in Höhe von 3,40% (Morningstar) bzw. 3,50% (FWW - inkl. Transaktionskosten, die Morningstar nicht berücksichtigt) ausgewiesen werden. 

Die Information, dass die laufenden Kosten nur noch 2,71% betragen, liegt vor, ist aber bis heute nicht publiziert. Für die Anteilsklasse IA, in die bereits ab 50.000 Euro (Fondsvermögensverwaltungen zählen dabei als ein Kunde) investiert werden kann, liegen die im Jahresbericht ausgewiesenen laufenden Kosten übrigens bei 1,88%. Die Transaktionskosten für das gesamte Geschäftsjahr betrugen übrigens lediglich 6.940,62 Euro
Anmerkung vom 31.05.2026: Eine Berichtigung gab es bis heute nicht.

Freitag, 22.05.2026

Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen ist in den letzten Tagen zeitweise auf 5,2% gestiegen, das höchste Niveau seit dem Jahr 2007. Wir hatten schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die Anleihenrendite nicht unbedingt den Vorgaben der Fed folgt, sondern dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Auch die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist auf ein 15-Jahres-Hoch geklettert. Bei der nächsten Fed-Sitzung dürfte es zu Nagelprobe kommen. Zinssenkungen, die Donald Trump sich mit Dringlichkeit wünscht, würden angesichts der Entwicklung an den Anleihmärkten und der Inflation von Marktteilnehmers als das Ende einer "unabhängigen Fed" gedeutet werden. Man darf gespannt sein, wie Kevin Warsh, der neue Chef der US-Notenbank diese Herausforderung  meistert. 

Sonntag, 24.05.2026

Es gibt Studien für die man sich Zeit nehmen sollte. Dazu gehört der alljährliche "In Gold We Trust-Report" von Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek von Incrementum.

Man sollte meinen, dass der jüngste Einbruch - nach einer Rallye eines der Spitzenfonds des Gold(minen)sektors, die in der Spitze (Allzeit-hoch zu Tiefststand in den letzten drei Jahren) ein Plus von 470% brachte - gerechtfertigt sei. Das kann doch eigentlich nur der Vorbote einer längeren Verlustphase sein. Doch wer sich mit den nackten Zahlen beschäftigt, der dürfte seine Meinung noch mal überdenken. Dabei reden wir nicht von den Zukunftserwartungen.   

Es sind zunächst mal die ungeschminkten Fundamentaldaten, die für unsere Begriffe eine längere Verlustphse ausschließen. So hat der Bergbausektor am gesamten Aktienmarkt nur noch einen Anteil von rund 1%. Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 1900. Wie passt das zusammen mit einer Branche, die mehr freien Cashflow produziert als je zuvor? 2025 war das profitabelste Jahr in der Geschichte der Goldminenproduzenten. Trotz der oben skizzierten Rallye ist das KGV von über 30 auf unter 20 gefallen. Der Grund ist einfach: Die Gewinne je Aktie vervierfachten sich. Die Werte liegen für gut selektierte Unternehmen deutlich über dem Durchschnitt der Branche. Von einer irrationalen Überhitzung, wie sie der Markt für KI-Aktien gerade erlebt, ist der Sektor weit entfernt.

Conclusio: Rund 14% des MBplus sind aktuell in die beiden oben abgebildeten Fonds investiert. Normalerweise hätten wir bereits bei einem Kurseinbruch von 10% bis 15% das Exposure abgebaut oder die Positionen komplett geschlossen. Doch bei Kurssprüngen der beiden Fonds von bis zu 8% an einem einzigen Tag kann man die Trendwende leicht verpassen, womit wir bei den Zukunftserwartungen wären. Prognosen für einen Goldpreis von 6.000 bis 8.000 US-Dollar pro Feinunze gibt es zuhauf. Jede Steigerung des Goldpreises wird von den Produzenten nahezu 1:1 als Gewinn verbucht werden können. Also bleiben wir dabei, Gewinne nur zu realisieren, soweit ein Anteil eines der Fonds 8% des MBplus-Volumens übersteigt. Aktuell liegt der Goldpreis nahezu 20% unter seinem Alltime High von 5.598,75 US-Dollar. 

Mittwoch, 27.05.2024

Die erneute Ankündigung, dass es bald zu einem Abkommen mit dem Iran käme, ist erneut nicht umgesetzt worden. Die Märkte quittieren es paradoxerweise mit weiterem Kursanstieg. Der Nasdaq 100 erklomm erstmals in seiner Geschichte die Marke von 30.000 Punkten. Anhaltende KI-Euphorie ließ den Index gestern um 1,76% auf 30.001,32 Punkte steigen.

Sonntag, 31.05.2026

Der MBplus beendete den Monat, in dem man einem Börsen-Sprichwort zufolge verkaufen soll, mit einem Plus von 1,86%. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Wertzuwachs auf 4,12% ... nicht schlecht für einen Fonds, der ein Monats-Minus im März von 4,95% kompensieren musste. Seit Strategiestart vor gut sechs Jahren wurde damit eine durchschnittliche Performance von 6,76% p.a. erwirtschaftet.   

Einen ganz starken Monat absolvierte das Options-Fonds-Portfolio (OFP) mit einem Plus von 4,93% - eine Entwicklung, die sich angesichts der schwankenden Volatilität mit den Ergebnissen unseres Backtests seit Anfang 2020 deckt. 

Hier kommt noch weiterer Text 






Mehr natürlich auch in dem in Kürze erscheinenden MBplus-Monatsbericht.


Bis zum nächsten Mal ...
Ihr/euer Jürgen Dumschat

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