Das MBplus-Fondsmanager-Tagebuch für Juni 2026 ... prepare and not predict
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Mehrwertphasen-Strategie,
natürlich hat man als Fondsberater eine Meinung, wie sich bestimmte Dinge entwickeln. Doch muss man sich davon freimachen, diese Meinung "auf Gedeih und Verderb" im Fonds umzusetzen. Im Gegenteil: Man sollte - soweit das möglich ist - auf alles vorbereitet sein. Da ist es von großem Vorteil, wenn man unterschiedliche High Conviction-Fonds und vor allem unterschiedliche Konzepte miteinander mischen kann.
"Prepare and not predict" (vorbereitet sein statt zu prognostizieren) ist eigentlich nur in einem bestens strukturierten individuellen Portfolio oder eben in einem Dachfonds möglich. Der Dachfonds erspart Anlegern und ihren Beratern viel Arbeit. Zudem hat der Dachfonds - wie schon mehrmals thematisiert - den Abgeltungssteuervorteil, denn aktives Management von Chancen und Risiken erfordert Umschichtungen, deren Erlöse im Dachfonds erst mal abgeltungssteuerfrei bleiben. Die damit zunächst gesparten Steuerzahlungen können noch viele Jahre Erträge erwirtschaften, ehe bei - idealerweise sukzessivem - Verkauf des Dachfonds dann natürlich final abgerechnet wird. Ein Beispiel dazu illustriert, wie sich unterschiedliche Konzepte ergänzen können, ohne damit die Performance auf lange Sicht zu beeinträchtigen (siehe Monatsultimo).
Den Two-Pager für den MBplus (aktualisiert per Ende Juni 2026) finden Sie in Kürze auf unserer Website im Bereich "Für Berater institutionelle Invstoren". Hier der direkte Link. Hier finden Sie auch alle Ausgaben des MBUI-Fondsmanager-Tagebuchs für die jeweils letzten 12 Monate.
Wie haben wir mit dem MBplus im Juni abgeschnitten? Dies und mehr erfahren Sie in unseren Tagebucheinträgen für den vergangenen Monat:
Montag, 01.06.2026
Die gute Nachricht ist nur scheinbar gut: Nach 2,9% im Vormonat liegt die Inflationsrate für Mai in Deutschland nur noch bei 2,6%. Doch das ist nur eine Momentaufnahme für einen sehr überschaubaren Moment. Mehr als 80% der Verringerung gehen alleine auf das Konto des "Tank-Rabatts", der jedoch auf zwei Monate befristet ist. Steigende Energiekosten dürften von den Unternehmen Schritt für Schritt an die Verbraucher weitergegeben werden. Die Kerninflation ist schon im Mai wieder auf 2,5% gestiegen. Der Trend dürfte sich fortsetzen. Wir würden uns nicht wundern, wenn schon bald wieder eine 3 vor dem Komma steht.
Am Nachmittag (europäischer Zeit) erreichte uns die Nachricht, dass der Iran den Austausch von Nachrichten mit den USA aus Protest gegen die Eskalation Israels im Libanon einstellen werde. Die vollständige Sperrung der Straße von Hormus und der Straße von Bab al Mandab am Horn von Afrika sei vorgesehen, berichtete die halbstaatliche Nachrichtenagentur Tasnim. Der Ölpreis regierte sofort und stieg innerhalb von knapp zwei Stunden um mehr als 6%.
Dienstag, 02.06.2026
Die Inflation in der Eurozone ist - trotz des niedrigen Wertes in Deutschland - im vergangenen Monat auf den höchsten Wert seit zweieinhalb Jahren gestiegen. Bei nunmehr 3,2% im Vergleich zum Vorjahr muss wohl damit gerechnet werden, dass die EZB am 11. Juni die Zinsen anheben wird, auch wenn damit die Hauptursachen der Inflation nicht bekämpft werden können.
Samstag, 06.06.2026
Das war ein heftiger Einschlag. Wachsende Nervosität über die zunehmende Monokultur der Unternehmensgewinne ließ die Börsen gestern heftig einbrechen. Broadcom hatte starke Zahlen geliefert, aber die Aussichten nicht weiter angehoben. Das war zu wenig. Zudem drückten starke Arbeitsmarktzahlen die Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen. Dass der Börsengang von SpaceX am Freitag dieser Woche stattfindet, wird auf einmal eher als Belastung empfunden.
Der Nasdaq verlor 1.122 Punkte, so viel wie niemals zuvor an einem einzigen Tag. Allein die Chipwerte verloren gestern rund 1,3 Billionen US-Dollar. Der Tagesverlust von Nvidia belief sich in der Spitze auf mehr als 300 Milliarden US-Dollar.
Einmal mehr ereignet sich ein solcher Kursrutsch am Wochenende. Sofortige Reaktion ausgeschlossen. Selbst wenn es sich um den Start in eine kräftigere Korrektur handeln sollte, so ist damit zu rechnen, dass es zum Wochenanfang eher zu einer technischen Korrektur nach oben kommt. Wir können nur abwarten, wie die neue Woche beginnt.
Montag, 08.06.2026
Erwartungsgemäß steigen die US-Börsen vorbörslich leicht. Doch der Fear & Greed-Index ist übers Wochenende auf 42 Punkte - und damit in den Angst-Bereich - gesunken. Vor einer Woche war das Barometer mit 56 Punkten noch knapp im Gier-Bereich. Vor einem Monat waren es noch 67 Punkte.
Dienstag, 16.06.2026
74 Zentralbanken, davon 17 aus Industrieländern und 57 aus Schwellen- und Entwicklungsländern, wurden befragt, wie sich ihre Goldreserven über die nächsten 12 Monate entwickeln dürften. 45% rechnen damit, dass die Goldreserven aufgestockt werden. Das ist der höchste jemals erfasste Anteil in den seit 2018 vom World Gold Council (WGC) und YouGov erhobenen Daten. Die Durststrecke des Goldpreises sollte deshalb bald enden.
Donnerstag, 18.06.2026
Die Zeit der Spekulationen ist vorbei. Kevin Warsh hatte seinen ersten Auftritt als US-Notenbank-Chef ... und die Zinsen blieben unverändert. Eine "Foward-Guidance" (praktisch eine Anleitung zum Geldverdienen an den Börsen) wird es künftig nicht mehr geben. Die Kernbotschaft: Inflationsbekämpfung hat Vorrang vor Wachstum. Die Hälfte der 18 Fed-Mitglieder erwartet bis Ende des Jahres noch mindestens eine Zinserhöhung. An den Terminmärkten ist eine Zinserhöhung bis Dezember in vollem Umfang eingepreist.
Gleichzeitig wurde seitens der USA und des Irans ein Rahmenabkommen unterzeichnet. Dauerhafte Einstellung der Kampfhandlungen, wechselseitige Aufhebung der Blockade der Straße von Hormus, Aussetzung der Sanktionen und umfassende Unterstützung beim Wiederaufbau sind die wesentlichen Punkte, die als Vorbereitung der Aushandlung eines endgültigen Abkommens binnen 60 Tagen genannt sind. Die Börse feiert das Ereignis einmal mehr. Wir sind - Verzeihung! - weiterhin skeptisch.
Freitag, 19.06.2026
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Zwei Beispiele, wie verschiedene Fonds sich in unterschiedlichen Marktphasen wechselseitig ergänzen können: In 2022 war das Gesamtergebnis der vier Fonds positiv. Im ersten Halbjahr wurde der Einbruch des "Flexiblen Mischfonds 3" durch die anderen Fonds kompensiert. In 2025 und im ersten Halbjahr 2026 ein ähnliches Bild, wobei sich allerdings die Performance der einzelnen Fonds teilweise deutlich anders darstellte. In Summe aber auch hier jeweils ein positives Ergebnis. Wir könnten das auch mit allen anderen allokierten Fonds darstellen, was aber leider vollkommen unübersichtlich werden würde. Aber das Ergebnis der Mixtur aus unterschiedlichen Konzepten, Managern und Gesellschaften sehen Sie ja insgesamt mit der Entwicklung des MBplus. Aktuell sind die beiden Goldfonds massiv eingebrochen (wir haben bereits erläutert, warum wir die beiden Positionen nicht reduzieren wollen). Trotzdem hält sich der MBplus seit Jahresbeginn im positiven Bereich (aktuell mit 4,09%).
Montag, 29.06.2026
Der Iran und die USA griffen sich am Wochenende erneut an. Auslöser waren iranische Attacken auf Schiffe, die die Straße von Hormus passieren wollten. Gestern Abend beanspruchte Teheran einmal mehr die Kontrolle über die Straße von Hormus. Innerhalb der kommenden 30 Tage soll sie laut Außenminister Abbas Araghtschi wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt werden. Wir sind nicht überrascht - siehe Tagebucheintrag vom 18. des Monats. Wenig später hieß es von US-Seite, dass die Kämpfe eingestellt und die Verhandlungen am Dienstag fortgesetzt werden.
Dienstag, 30.06.2026
| Die erste Hälfte des Jahres liegt hinter uns. Der Juni hat mit minus 1,80% für einen Dämpfer gesorgt. Doch der Blick auf die letzten 12 Monate stimmt uns nicht unzufrieden. Mit einem 12-Monats-Plus von 14,92% hat der MBplus um mehr als das Doppelte des FWW-Peergroup-Durchschnitts (plus 7,08%) zugelegt. Die Anleger wird es hoffentlich freuen. |
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Wer nun - durchaus nicht unberechtigt - darauf hinweist, dass der MBplus ja kein typischer defensiver Mischfonds ist, dem sei Recht gegeben. Wir selbst sehen ihn als moderat defensiven Mischfonds, der auch mit dem Gaspedal umzugehen weiß. Deshalb zur ergänzenden Info: Der Durchschnitt der ausgewogenen Mischfonds hat auf Jahresssicht 11,79% zugelegt, womit sich für den Schnitt der beiden FWW-Peergroups 9,44% ergeben würden.
Mehr natürlich auch in dem in Kürze erscheinenden MBplus-Monatsbericht.
Bis zum nächsten Mal ... Ihr/euer Jürgen Dumschat
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