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Das MBUI-Fondsmanager-Tagebuch für Juli 2026

... holpriger Start in die zweite Jahreshälfte

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Mehrwertphasen-Strategie,

kaum hatte die zweite Jahreshälfte begonnen, da purzelten neue Rekorde. Der DAX erreichte bereits am 2. des Monats ein neues Alltime-High und überbot dieses jeweils an den beiden folgenden Handelstagen. Doch dann folgte das bewährte Muster: Sobald der DAX neue Höhen erreicht, geht ihm erst mal die Puste aus. Mehr als 1.000 Punkte ging es dann erst mal abwärts, ehe neuer Anlauf genommen wurde, um das nun bei 25.817,89 Punkten liegende Allzeithoch anzugreifen. Wir wollen uns nicht wiederholen: Wir vermeiden es, in den teilweise grenzenlosen Optimismus einzustimmen.  

Nun aber zu unseren Tagebuchnotizen für den vergangenen Monat ...

(Alle Ausgaben des MBUI-Fondsmanager-Tagebuchs für die jeweils letzten 12 Monate finden Sie - nach Bestätigung des Disclaimers - im Bereich für Investment-Professionals auf der MBUI-Website.)


Donnerstag, 02.07.2026

Der gestrige Tagesschlussstand von 25.698,07 markierte bereits den sechsten Höchststand seit dem zuvor gültigen Allzeithoch von Ende Februar.

Das aktuelle Allzeithoch des S&P 500 ist hingegen exakt einen Monat alt, allerdings notiert der Index heute gut 9% über seinem Januar-Allzeithoch. Davon sind die europäischen Indices weit entfernt. Deren Höchststand vor der "Operation Epic Fury" datierte vom Oktober 2025. Doch nach dem folgenden Tiefststand am Tag 1 des Angriffs auf den Iran gab es kein Halten mehr. Bis Anfang Juni legte das Nasdaq-Barometer um 33,5% zu. Doch seitdem oszilliert  die Nasdaq unterhalb des nach wie vor gültigen Allzeithochs von 30.652,044 Punkten.

Gerade die Entwicklungen in den USA bereiten uns mehr Magenschmerzen als Freudentaumel. Die AI-Investitionen, die monatelang von der Börse gefeiert wurden, werden mehr und mehr kreditfinanziert und nicht nur wir fragen uns, ob - und wenn ja, wie lange - es dauern könnte, ehe sich die Investitionen amortisieren. Alleine die vier großen Hyperscaler planen für dieses Jahr Investitionen in Höhe von 715 Milliarden Euro. Hinzu kommt der Börsengang von OpenAI, der schätzungseise eine zusätzliche Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar bringen könnte. Kann es sein, dass das Geld, was dort investiert werden soll, woanders abgezogen werden muss?

Hinzu kommen die vielfach unterschätzten Folgen der Sperrung der Straße von Hormus. Aktuell warten immer noch ca. 1.150 Schiffe auf die Passage. Vor dem Konflikt durchquerten täglich 50 bis 80 Schiffe die Meerenge. Aktuell schränken jedoch Minenräumarbeiten die Durchschiffung ein.

Und dann wäre da noch die immense Ausweitung der Staatsschulden (nicht nur in den USA). Es gibt viele weitere Gründe, Vorsicht walten zu lassen, wenngleich natürlich auch Vieles die aktuellen Bewertungen zu rechtfertigen scheint.

Kevin Warsh will künftig auf die "Forward Guidance" verzichten. Dafür spricht so einiges. Dass die Anleger deshalb den Blick nicht mehr nach vorne richten, wäre jedoch keine gute Idee. 

Freitag, 03.07.2026

Eigentlich kurios: Schwache Arbeitsmarktdaten beflügeln die Börse. Weniger Druck auf die Fed und fallende Zinssorgen dürften der Grund dafür sein. Nur 57.000 neue Jobs im Juni. Zusätzlich wurden mal wieder die im April und Mai von der Börse gefeierten Zahlen um 74.000 Stellen nach unten korrigiert. Ob langsam auffällt, dass es kaum Korrekturen nach oben gibt?

Mittwoch, 08.07.2026

Die USA haben in der Nacht  den Iran erneut angegriffen. Auch die Sanktionen auf iranische Öl-Verkäufe wurden erneut in Kraft gesetzt – als Vergeltung für Angriffe auf drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus.

Montag, 13.07.2026

Die Situation im Nahen Osten, speziell an der Straße von Hormus, eskaliert weiter. Nachdem der Iran die erneute Sperrung der Meerenge verfügt hat, kontert Donald Trump mit der in der Region befindlichen Marine-Power die Passage von Frachtschiffen zu ermöglichen. Dafür will er aber im Gegenzug 20% des Frachtwertes aller Schiffe einbehalten, die die sicher durch die Straße von Hormus geleitet werden. Er begründet dies mit den hohen Kosten und vergisst dabei, dass er diese selbst zu verantworten hat (beim Schreiben dieses Tagebucheintrags fällt auf, dass man inzwischen oft von Donald Trump spricht, wenn man die USA meint. Wie kommt's?) 

Mittwoch, 15.07.2026

Die US-Inflation, die im  Mai noch bei 4,2% lag, ging im Juni auf 3,5% zurück. Den Märkten gibt es Aufwind, obwohl jedem klar sein müsste, dass der Rückgang nahezu komplett aufs Konto der eingebrochenen Ölpreise (minus 9,7% im Juni) geht. Die aktuelle Eskalation wird dabei einmal mehr ausgeblendet. Der Ölpreis für Brent ist seit Monatsbeginn um mehr als 18% gestiegen. WTI notiert heute Morgen um gut 17% höher als zu Monatsbeginn. Wo stünde die Inflationsrate wohl, wenn sie heute berechnet werden würde?  

Donnerstag, 16.07.2026

Wie anfällig die Aktienmärkte inzwischen sind, zeigt sich am Beispiel der IBM-Aktie. Vorläufigen Zahlen zufolge liegt der Umsatz bei 17,2 Milliarden US-Dollar und der Gewinn je Aktie bei 2,93 US-Dollar. Erwartet waren 17,9 Milliarden (also rund 4% mehr Umsatz) und 3,02 US-Dollar (also rund 3%) mehr Gewinn pro Aktie. An der Börse wurde ein solches - vorläufiges - Ergebnis mit einem Kursrückgang von mehr als 25% quittiert.  

Freitag, 17.07.2026

Eine aktuelle Studie des ifo-Instituts legt die Abhängigkeit der EU bei kritischen Rohstoffen schonungslos offen. Nur bei vier (von insgesamt 27) kritischen Rohstoffen liegt der Abbau in der EU bei mehr als 5% der globalen Förderung. Neun der Rohstoffe werden in der EU überhaupt nicht gefördert. 

Mittwoch, 23.07.2026

Noch nie wurden in den USA so viele Aktien auf Pump gekauft. Alleine im Juni stieg das Volumen der mit Kredit finanzierten Aktienkäufe um nahezu 90 Milliarden US-Dollar auf inzwischen 1,5 Billionen US-Dollar. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung vor 16 Jahren. Im Falle sinkender Aktienkurse könnte das zu einem Brandbeschleuniger werden. Fallen die Kurse, so verlangen die Kreditgeber zusätzliches Geld oder sie verkaufen die zur Sicherheit abgetretenen Aktien. Damit verbindet man automatisch eine zu befürchtende Abwärtsspirale. 

Dienstag, 28.07.2026

Der rekordhohe Anteil der größten US-Unternehmen an der Marktkapitalisierung des S&P 500 ist uns allen geläufig. Wer in einen ETF auf den S&P 500 investiert ist, geht einige heiße Wetten ein, ohne es unmittelbar zu bemerken. Ähnlich verhält es sich aber auch, wenn sich der MSCI Emerging Markets Index im Depot befindet. Wer mit diesem immerhin 1.200 Titel umfassenden Index auf breite Streuung setzt, ist sich meist nicht im Klaren darüber, dass nur drei Unternehmen, nämlich Taiwan Semiconductor, Samsung Electronics und SK Hynix, nahezu für ein Drittel der Marktkapitalisierung des Index verantwortlich sind. Wie extrem die Entwicklung inzwischen verläuft, illustriert die folgende Grafik:

   

China, Korea und Taiwan stellen übrigens inzwischen mehr als zwei Drittel der Marktkapitalisierung des MSCI Emerging Markets Index.

Klumpenrisiko gibt es übrigens auch in Europa, wo der Stoxx Europe 600 zunehmend als Pendant zum S&P 500 gilt. Zehn Unternehmen (das sind 1,67% der im Index gelisteten Unternehmen) sind in diesem Jahr für 60% des Wertzuwachses des Index verantwortlich.

Donnerstag, 30.07.2026


Die US-Notenbank lässt den Leitzins unverändert. Drei Mitglieder stimmten jedoch für eine Erhöhung um 0,25%-punkte, weil die Inflation weiterhin über der Zielmarke liegt. Die jüngst wieder gestiegenen Ölpreise werden den Inflationsdruck tendenziell steigern.

Freitag, 31.07.2026

Die Inflationsrate zieht wieder an. Für Juli wird für Deutschland eine Verbraucherpreissteigerung von 2,9% erwartet. Der Markt hat bereits eine baldige Zinssteigerung auf 2,50% eingepreist.

Deflationär sind hingegen die Kosten für das chinesische KI-Modell "Kimi K3". Es ist lediglich 1,56 Terrabyte groß, kostenlos downzuloaden und angeblich ähnlich leistungsstark wie OpenAI oder Anthropic. Und es arbeitet zu einem Viertel der Kosten. Die ohnehin angeschlagene KI-Branche nebst ihren Zulieferen kann sich darüber nicht freuen.

Mit einer nach wie vor ausgewogenen Allokation versuchen wir weiterhin, die Balance zwischen Angst und Gier zu finden. Das Options-Fonds-Portfolio hat nach zwei herausragenden Monaten  mit mehr als 10% Plus eine Verschnaufpause eingelegt und gut 2% abgegeben. Das Taktische Opportunitäts-Portfolio blieb mit minus 0,13% quasi unverändert. Für die Balance waren letztendlich die im Strategischen Basis-Portfolio allokierten Zielfonds zuständig, welche die Rückgänge der anderen Sub-Portfolios nahezu ausglichen. Der MBplus beendete den Monat mit einem MInus von 0,29%.

Mehr natürlich auch in dem in Kürze erscheinenden MBUI-Monatsbericht.
Bis zum nächsten Mal ...


Ihr/euer Jürgen Dumschat

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